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Lyrics


Sheetmusic
Robert Schumann   Opus 31

3 Gesänge

Song 1840.

Gesänge = songs.

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[1, 2, 3]

1. Die Löwenbraut

Author(s): Adelbert von Chamisso

 Mit der Myrte geschmückt und dem Brautgeschmeid,
 Des Wärters Tochter, die rosige Maid,
 Tritt ein in den Zwinger des Löwen;
 Er liegt der Herrin zu Füßen, vor der er sich schmiegt.

 Der Gewaltige, wild und unbändig zuvor,
 Schaut fromm und verständig zur Herrin empor;
 Die Jungfrau, zart und wonnereich,
 Liebestreichelt ihn sanft und weinet zugleich:

 "Wir waren in Tagen, die nicht mehr sind,
 Gar treue Gespielen wie Kind und Kind,
 Und hatten uns lieb und hatten uns gern;
 Die Tage der Kindheit, sie liegen uns fern.

 Du schütest machtvoll, eh wir's geglaubt,
 Dein mähnenumwogtes königlich Haupt;
 Ich wuchs heran, du siehst es: ich bin, -
 Ich bin das Kind nicht mehr mit kindischem Sinn.

 O wär ich das Kind noch und bliebe bei dir,
 Mein starkes getreues, mein redliches Tier!
 Ich aber muß folgen, sie taten mir's an,
 Hinaus in die Fremde dem fremden Mann.

 Es fiel ihm ein, daß schön ich sei,
 Ich wurde gefreit, es ist nun vorbei:
 Der Kranz im Haar, mein guter Gesell,
 Und vor Tränen nicht die Blicke mehr hell.

 Verstehst du mich ganz? Schaust grimmig dazu,
 Ich bin ja gefaßt, sei ruhig auch du;
 Dort seh ich ihn kommen, dem folgen ich muß,
 So geb ich denn, Freund, dir den letzten Kuß!"

 Und wie ihn die Lippe des Mädchens berührt,
 Da hat man den Zwinger erzittern gespürt,
 Und wie er am Zwinger den Jüngling erschaut,
 Erfaßt Entsetzen die bagenden Braut.

 Er stellt an die Tür sich des Zwingers zur Wacht,
 Er schwinget den Schweif, er brüllet mit Macht,
 Sie flehend, gebietend und drohend begehrt
 Hinaus; er im Zorn den Ausgang wehrt.

 Und draußen erhebt sich verworren Geschrei.
 Der Jüngling ruft: bring Waffen herbei,
 Ich schieß ihn nieder, ich treff ihn gut.
 Aufbrüllt der Gereizte schäumend vor Wut.

 Die Unselige wagt's sich der Türe zu nahn,
 Da fällt er verwandelt die Herrin an:
 Die schöne Gestalt, ein gräßlicher Raub,
 Liegt blutig zerrissen entstellt in dem Staub.

 Und wie er vergossen das teure Blut,
 Er legt sich zur Leiche mit finsterem Mut,
 Er liegt so versunken in Trauer und Schmerz,
 Bis tödlich die Kugel ihn trifft in das Herz.

2. Die Kartenlegerin

Author(s): Adelbert von Chamisso, Pierre Jean de Béranger (1780-1857)

 Schlief die Mutter endlich ein
 Über ihrer Hauspostille?
 Nadel, liege du nun stille,
 Nähen, immer Nähen, nein,
 Legen will ich mir die Karten,
 Ei, was hab ich zu erwarten,
 Ei, was wird das Ende sein?

 Trüget mich die Ahnung nicht,
 Zeigt sich einer, den ich meine,
 Schön, da kommt er ja, der eine,
 Coeur-Bub kannte seine Pflicht.
 Eine reiche Witwe? Wehe.
 Ja, er freit sie, ich vergehe,
 O verruchter Bösewicht.

 Herzeleid und viel Verdruß,
 Eine Schul' und enge Mauern,
 Karo-König, der bedauern
 Und zuletzt mich trösten muß.
 Ein Geschenk auf artge Weise,
 Er entführt mich, eine Reise,
 Geld und Lust im Überfluß.

 Dieser Karo-König da
 Muß ein Fürst sein oder König
 Und es fehlt daran nur wenig,
 Bin ich selber Fürstin ja.
 Hier ein Feind, der mir zu schaden
 Sich bemüht bei seiner Gnaden,
 Und ein Blonder steht mir nah.

 Ein Geheimnis kommt zu Tage,
 Und ich flüchte noch beizeiten,
 Fahret wohl, ihr Herrlichkeiten,
 O, das war ein harter Schlag.
 Hin ist einer, eine Menge
 Bilden um mich ein Gedränge,
 Daß ich sie kaum zählen mag.

 Kommt das dumme Fraungesicht,
 Kommt die Alte da mit Keuchen,
 Lieb und Lust mir zu verscheuchen,
 Eh, die Jugend mir gebricht?
 Ach, die Mutter ist's, die aufwacht,
 Und den Mund zu schelten aufmacht.
 Nein, die Karten lügen nicht.

3. Die rote Hanne

Author(s): Adelbert von Chamisso, Pierre Jean de Béranger (1780-1857)

 Den Säugling an der Brust,
 Den zweiten der Knaben auf dem Rücken, führt
 Sie an der Hand den Erstgebornen,
 Der fast entkleidet, barfuß, friert.
 Den Vater haben sie gefangen,
 Er kühlt im Kerker seinen Mut.
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

 Ich sah sie oft in bessern Tagen,
 Schulmeisters liebes Töchterlein;
 Sie spann und sang und las und nähte,
 Ein herzig Kind und schmuck und fein;
 Beim Sonntagstanz im Kreis der Linden,
 Wie war sie froh und wohlgemut!
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

 Ein junger reicher hübscher Pächter
 Versprach ihr einst ein beßres Glück;
 Ihr rotes Haar, das ward verspottet,
 Der reiche Freier trat zurück;
 Es kamen andre, gingen wieder,
 Sie hatte ja kein Heiratsgut.
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

 Ein Taugenichts war schnell entschlossen:
 Ich nehm' dich zum Weibe, blond oder rot;
 Drei Büschen hab' ich, weiß die Schliche,
 Der Förster macht mir keine Not;
 Den Schwarzrock will ich auch bezahlen,
 Des Sprüchlein uns zusammen tut.
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

 Sie sprach nicht nein, mit sanfter Lockung
 Gebot Natur in ihrer Brust,
 Und dreimal ward allein im Walde
 Sie Mutter unter bittrer Lust.
 Die Kinder treiben und gedeihen,
 Ein blühend frisch gesundes Blut.
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.

 Des treuen Weibes nächt'gen Jammer
 Erhellet noch ein milder Schein.
 Sie lächelt: ihre Kleinen werden
 Schwarzlockig wie der Vater sein;
 Sie lächelt: ach, aus ihrem Lächeln
 Schöpft der Gefangne frischen Mut.
 Sei Gott du mit der roten Hanne!
 Der Wilddieb sitzt in sichrer Hut.


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