1. Tanzlied
Author(s): Friedrich Rückert Eia, wie flattert der Kranz,
Trauter, komm mit mir zum Tanz!
Wollen uns schwingen,
rasch uns erspringen
mitten im wonnigen Glanz.
Weh, weh, wie pocht mir das Herz,
sage, was soll mir der Scherz?
Laß dich umschließen,
laß mich zerfließen,
ruhend im seligen Schmerz.
Eia, der Walzer erklingt,
Pärchen an Pärchen sich schwingt,
Mädchen und Bübchen,
Schelmchen und Liebchen!
Frisch, wo's am dichtesten springt!
Wehe! mir sinket der Arm
mitten im jauchzenden Schwarm.
Wie sie sich fassen,
muß ich erblassen,
möchte vergehen im Harm.
Eia, wie flattert der Kranz,
heute für alle im Tanz,
flatterig heute,
morgen gescheute,
morgen, o Trauter, dein ganz!
2. Er und Sie
Author(s): Justinus (Andreas Christian) Kerner Seh ich in das stille Tal,
wo im Sonnenscheine
Blumen prangen ohne Zahl,
blick ich nur auf eine.
Tret ich an mein Fensterlein,
wenn die Sterne scheinen,
mögen alle schöner sein,
blick ich nur auf einen.
Ach! es blickt ihr Auge blau
jetzt auch auf die Auen,
im Vergißmeinicht voll Tau
kann ich es erschauen.
Dort gen Abend blickt er mild
wohl nach Himmelshöhen,
denn dort ist sein liebes Bild
in dem Stern zu sehen.
3. Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Author(s): Johann Wolfgang von Goethe Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Hain da geh ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne.
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!
4. Wiegenlied am Lager eines kranken Kindes
Author(s): Friedrich Hebbel Schlaf, Kindlein, schlaf!
Wie du schläfst, so bist du brav.
Draußen rot im Mittagsscheine
Glüht der schönsten Kirschen eine.
Wenn du aufwachst, gehen wir,
Und mein Finger pflückt sie dir.
Schlaf, Kindlein, schlaf!
Wie du schläfst, so bist du brav.
Schlaf, Kindlein, schlaf!
Wie du schläfst, so bist du brav.
Immer süßer kocht die Sonne
Deine Kirsche, dir zur Wonne;
Schlaf denn, Kindlein, leicht bedeckt,
Bis der Durst nach ihr dich weckt.
Schlaf, Kindlein, schlaf!
Wie du schläfst, so bist du brav.
